19. Januar – Angriff auf offener Strasse

Ganz aktuell. Das wollte ich Dir nicht vorenthalten. Für viele Menschen ist der heutige Tag, das Timkatfest (18.-19. Jan. 2017) ein ganz grosser Tag.
Bei einer solchen Feier fliesst auch der Alkohol reichlich. Bewusst entzog ich mich den Festivitäten, da ich nicht gerne alleine unterwegs in der Öffentlichkeit bin. Nachdem ich einen grossen Teil des Tages mit Lesen und Schreiben verbracht habe, zog es mich dennoch nach draussen. Nur eine kleine Runde in der Nachbarschaft und ein wenig frische Luft schnappen. Leider begegnete ich einer Gruppe halbstarker Jugendlicher, so gegen 10 junger Männer,  besoffen und äusserst arrogant. Bevor ich realisierte, wie mir geschah, packte der eine mich am Arm, ein heftiger Würgegriff und ein anderer hatte seine Langfinger bereits in meiner Hosentasche gesteckt. Instinktiv war mein Puls auf 300 gerast und ich wehrte mich, wie es nur möglich war. Wohl überrascht durch meine Gegenreaktion liessen sie von mir ab und suchten das Weite. Plötzlich hatte ich Angst und mir wurde bewusst, in welch gefährlicher Lage ich mich da gerade befunden hatte. Ja, ich betete um Schutz und Bewahrung und wollte auf schnellstem Wege zurück in meine Unterkunft. Beim Abendessen tauschten wir unsere Tageserlebnisse aus und mussten feststellen, dass sich unsere Erlebnisse betreffs Arroganz und Benehmen gegenüber uns Ausländern an einem solchen Tag mit viel Alkohol zu decken schienen. Natürlich fragt man sich, was sich sonst so alles im Land abspielt. Die Informationslage hier im Land ist eher dürftig. So erfährt man bsp. sehr wenig über den Anschlag im Norden des Landes. Wo war es? In einem Hotel? In Gonder oder in Bar Dahar? Die Missionare wie auch die Einheimischen haben über die Jahre gelernt zu beten und zu vertrauen. Das ist eine ganz neue Dimension des Glaubens, die sich auch bei mir bemerkbar macht.